Unter Strom bis ans Ende der Welt — und zurück

Ein elek­tri­scher Road­t­rip im Jahr der Pan­de­mie nach Nor­we­gen bis ans Ende Euro­pas. Allein von Ham­burg zum Nord­kap und zurück in 14 Tagen mit dem Tes­la Model 3 SR+. Ein Rei­se­be­richt (Teil 1/2).

Dies ist Teil 1 des Rei­se­be­richts. Die Beschrei­bung der ein­zel­nen Etap­pen fin­dest Du in Teil 2.

Dauer: 14 Tage vom 27.8. bis 9.9.2020
Strecke: 7319 km
davon auf Fähren: 537 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 75 km/h
Gefahrene Stunden gesamt: 112 Stunden
davon auf Fähren: 21 Stunden
Gefahren pro Tag im Schnitt: 8 Stunden
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Reisen in Zeiten von Covid-19
Planung und Vorbereitung
Meet: Whiterose
Norwegens Straßen und Fähren
Elektroautos in Norwegen
Laden in Norwegen
Verbrauch, Reichweite und Ladepausen
Camping im Model 3
Die Hotels
Mein Bru­der, mein Vater und ich auf Tour im Kadett Kom­bi, ca. 1979. (Foto: Mei­ne Mutter)

Skan­di­na­vi­en ist für mich mein zwei­tes Zuhau­se: Mit mei­nen Eltern bin ich in den Acht­zi­gern mit dem Opel Kadett, spä­ter mit dem Toyo­ta Corol­la jedes Jahr in Däne­mark gewe­sen, wo ich zumeist an der Ost­see auf Fals­ter im Feri­en­haus am Strand die Som­mer­wo­chen mit Soft­eis, Pøl­ser, Feu­er­qual­len und gele­gent­li­chen Trips an die Steil­küs­te Møns ver­bracht habe. Ein­mal besuch­ten wir per Flug­zeug Finn­land. Spä­ter in mei­ner Jugend erkun­de­te ich auf meh­re­ren Kanu­tou­ren (Anrei­se im VW Pas­sat) die Seen, Flüs­se, Fel­sen und Wäl­der Schwe­dens (Ätran, Öster­sund u.a.). Dort­hin keh­re ich seit­dem nun­mehr fast jedes Jahr zurück (bis­her mit Bahn oder Sko­da Citi­go) und besu­che mei­ne ein­ge­wan­der­te Ver­wandt­schaft in Ble­kin­ge, die in einem traum­haf­ten Haus mit­ten im Wald am de fac­to eige­nen See lebt. Mit Nor­we­gen hat­te ich lan­ge kaum Berüh­rungs­punk­te — bis ich ca. 2015  begann, mich für Elek­tro­mo­bi­li­tät zu inter­es­sie­ren, und fort­an mit wach­sen­dem Inter­es­se die Ent­wick­lung der skan­di­na­vi­schen Nati­on verfolgte.


Inzwi­schen ist Nor­we­gen für Elek­tro­mo­bi­lis­ten sozu­sa­gen das gelob­te Land. Jedes zwei­te neu­zu­ge­las­se­ne Auto dort ist inzwi­schen ein “Bat­te­ry Electric Vehi­cle” (BEV), also ein rein bat­te­rieb­be­trie­be­nes Fahr­zeug.1 Die Ladein­fra­struk­tur ist ent­spre­chend gut aus­ge­baut und gemes­sen an den 5,4 Mil­lio­nen Ein­woh­nern min­des­tens euro­pa­weit ohne Bei­spiel. Die Idee, mir das ein­mal mit eige­nen Augen anzu­schau­en, ist so alt wie mein Wunsch, elek­trisch zu fah­ren. Ein­mal erle­ben, wie gut Elek­tro­mo­bi­li­tät in einem Land funk­tio­niert, das den Sprung ins ver­meint­lich kal­te Was­ser der Ver­kehrs­wen­de schon gewagt hat! Als ich mir im März die­ses Jah­res mein ers­tes eige­nes Elek­tro­au­to kauf­te, war die Rei­se schon fest ein­ge­plant — doch zu dem Zeit­punkt war bereits klar, dass da eine Pan­de­mie anroll­te, sodass alle Plä­ne für min­des­tens die­ses Jahr auf sehr wacke­li­gen Bei­nen ste­hen würden.

Reisen in Zeiten von Covid-19

In Anbe­tracht der Erfah­run­gen zum Höhe­punkt der ers­ten Pan­de­mie-Wel­le stell­te sich die Fra­ge: Kann ich eine Aus­lands­rei­se in Zei­ten der Pan­de­mie über­haupt ver­ant­wor­ten? Bis zum Juli 2020 hat­te ich immer noch kei­nen Som­mer­ur­laub gemacht, und ich woll­te ihn auf kei­nen Fall zu Hau­se ver­brin­gen. Mein Job beinhal­te­te bereits seit Jah­ren gele­gent­li­ches Home­of­fice, wegen Covid-19 nahm Home­of­fice zu  — sodass der Wunsch raus­zu­kom­men wei­ter wuchs. Und so kam mir der Gedan­ke: Wenn ich schon nicht mei­ne Ver­wand­ten in Schwe­den besu­chen kann, ist ein ein­sa­mer Road­t­rip ins Nir­gend­wo nicht genau der rich­ti­ge Urlaub für so eine Pan­de­mie­zeit? Mir wur­de klar, dass der Trip in die­sem Jahr im Zei­chen des Social Distancing viel­leicht bes­ser pass­te als alles ande­re: Schließ­lich wirbt Visit Nor­way nicht umsonst mit den Wor­ten: “Wel­co­me to SPACE”.

So sah die Covid-Kar­te des Nor­we­gi­an Insti­tu­te of Public Health aus zum Rei­se­an­tritt: Rot bedeu­tet eine zehn­tä­gi­ge Qua­ran­tä­ne­pflicht für Einreisende.

Eigent­lich stand einem Nor­we­gen-Trip also nichts im Weg: Das Land ist EU-asso­zi­iert und Schen­gen-Mit­glied, war Stand August kein Covid-Risi­ko­ge­biet und zudem gal­ten  von nor­we­gi­scher und däni­scher Sei­te kei­ne Ein­rei­se­be­schrän­kun­gen für Deut­sche. Das änder­te sich aller­dings kurz vor mei­ner geplan­ten Abrei­se: Am Sams­tag, den 29.8.2020 soll­te in Nor­we­gen erneut eine zehn­tä­gi­ge Qua­ran­tä­ne­pflicht für Ein­rei­sen­de aus Deutsch­land in Kraft tre­ten. 2 Daher ver­leg­te ich mei­ne Rei­se spon­tan vor und reis­te schon am Frei­tag, den 28.8. in Nor­we­gen ein. Wäh­rend der gesam­ten Rei­se habe ich in öffent­li­chen Innen­räu­men stets eine Mas­ke getra­gen und wur­de dafür oft schief ange­se­hen, denn ich war fast immer der Ein­zi­ge. For the record: Es scheint alles gut gegan­gen zu sein, denn ich habe bis heu­te, drei Tage nach mei­ner Rück­rei­se vom 9.9.2020, kei­ner­lei Krankheitssymptome.

Planung und Vorbereitung

In gro­ben Zügen war die Idee: Auf dem schnells­tem Wege rauf bis zum Nord­kap als mei­ne per­sön­li­che elek­tro­mo­bi­le Chal­len­ge, dann gemäch­lich zurück und mir anschau­en, wor­auf ich Lust habe. 3 Ich leg­te mir eine gro­be Rou­te zurecht mit Din­gen und Orten, die ich inter­es­sant fand. Ich woll­te nur bei Tages­licht fah­ren, also zur jet­zi­gen Jah­res­zeit (Anfang Sep­tem­ber) ca. zwi­schen 8 und 21 Uhr. Schwe­den woll­te ich aus pan­de­mi­schen Grün­den unbe­dingt ver­mei­den, denn Nor­we­gen schrieb zum Zeit­punkt der Rei­se für Ein­rei­sen­de aus den meis­ten Regio­nen Schwe­dens eine zehn­tä­gi­ge Qua­ran­tä­ne vor. Für die Über­nach­tun­gen plan­te ich im Wech­sel Hotel oder Cam­ping im Auto, weil der Tes­la sich für einen Allein­rei­sen­den gut dazu eig­net. Die Idee, im Auto durchs Glas­dach auf Polar­lich­ter zu gucken, war ver­lo­ckend — dies soll­te auch schon ab Sep­tem­ber mög­lich sein. Als Auto­ma­trat­ze hat­te ich mir die Tes­mat geholt, dazu als Sicht­schutz und Iso­lie­rung die Sunsha­des von Evan­nex, und bei­des schon auf klei­ne­ren Trips erfolg­reich getestet.

Die kom­plet­te Rei­se­rou­te im Über­blick (Quel­le: Open­Street­Map, Rou­te mit GraphHopper)

Für die Abrech­nung der vie­ler­orts anfal­len­den Maut- und Fähr­ge­büh­ren regis­trier­te ich ein paar Wochen vor Rei­se­an­tritt mein Auto­kenn­zei­chen online 4 und bestell­te mir einen Auto­pass-RFID-Chip, den ich an der Front­schei­be neben den Rück­spie­gel anbrach­te. 5

Nicht nur als Tes­la-Fah­rer sind die Infos beim Tes­la Owners Club Nor­way für Elek­tro-Urlau­ber sehr nützlich.

Höhen­pro­fil der kom­plet­ten Rei­se­rou­te (Quel­le: Open­Street­Map, GraphHopper)

Für mei­ne gesam­te Rou­te und alle mög­li­chen Optio­nen und Sehens­wür­dig­kei­ten schau­te ich mir genau an, wo es geeig­ne­te Lade­mög­lich­kei­ten gab. In der Regel war das dank des unver­schämt gut aus­ge­bau­ten Super­char­ger-Netz­werks von Tes­la in Nor­we­gen sehr ein­fach. Für die von Tes­la bis­lang noch nicht erschlos­se­nen Rand­ge­bie­te war die Strom­tank­stel­len-Über­sicht auf Going Electric extrem hilf­reich, wenn nicht gar uner­läss­lich. Außer­dem besorg­te ich mir eine Plug­sur­fing-Lade­kar­te, mit der man in Nor­we­gen an Schnell­la­de­säu­len des Anbie­ters For­t­um laden kann. Dazu instal­lier­te ich die Inter­char­ge-App 6 für den Not­fall. Was ich für die­se Tour nicht getan habe, aber nächs­tes Mal tun wür­de: Mir vor­ab den RFID-Chip von Grønn Kon­takt holen, um auch deren Lade­säu­len nut­zen zu kön­nen. Grønn Kon­takt hat eine sehr brei­te Abde­ckung in Nor­we­gen.7

Auf­grund der unsi­che­ren Pan­de­mie-Lage plan­te ich ansons­ten nichts Kon­kre­tes im Vor­aus. Hotels reservierte/buchte ich immer erst am Anrei­se­tag, die gro­ßen Fäh­ren (Color­Line DK-NO-DK, Mos­ke­nes-Bodø) am Vorabend.

Für die Daten­er­fas­sung nut­ze ich die App Tez­lab, 8 die über die Tes­la API direkt mit dem Auto kom­mu­ni­ziert. Die App arbei­tet die Daten optisch anspre­chend auf und bie­tet eine inter­es­san­te und deut­lich detail­lier­te­re Aus­wer­tung zu dem, was Tes­la selbst im Auto prä­sen­tiert. Zudem ermög­licht Tez­lab, die Trip- und Lade­da­ten als CSV-Datei zu expor­tie­ren, was mei­ne Arbeit an die­sem Arti­kel in der Form erst mög­lich gemacht hat.

Meet: Whiterose

Früh­jahr 2020, Son­nen­un­ter­gang in Schleswig-Holstein.

Als Auto‑, Com­pu­ter- und Space-Nerd stand für mich Tes­las Model 3 als noch bezahl­ba­re Opti­on ganz oben auf der Lis­te der in Fra­ge kom­men­den E‑Autos. Kurz zusam­men­ge­fasst: Das auf­ge­räum­te Inter­face ohne Knöp­fe in Kom­bi­na­ti­on mit pfeil­schnel­lem, rie­si­gen Dis­play ist für mich das Auto­de­sign der Zukunft, das ich nicht mehr mis­sen möch­te. Das  kar­ten- und app­los ein­wand­frei funk­tio­nie­ren­de Super­char­ger-Netz­werk macht Fern­rei­sen ent­spannt und zeigt allen ande­ren Her­stel­lern auch 2020 immer noch, wie es geht. Und wenn doch mal Not am Mann ist, gibt’s ja noch die Kar­ten­la­der der ande­ren Anbieter. 

Außer­dem soll­te mein E‑Auto unbe­dingt cam­ping-fähig sein, was ich mit einem Model-3-Miet­wa­gen letz­tes Jahr erfolg­reich getes­tet hatte. 

Aus einer Epi­so­de der Serie “Mr. Robot”. Hier nicht im Bild, aber die Hacke­rIn White­ro­se spielt dar­in eine wich­ti­ge Rol­le. (copy­right Anony­mous Con­tent, Uni­ver­sal Cable Productions)

Im Febru­ar online bestellt, 24 Tage spä­ter gelie­fert: White­ro­se, mein Model 3 SR+ in weiß mit Basis­aus­stat­tung, aber den iko­ni­schen 19er-Tes­la-Fel­gen als ein­zi­gem Extra. Das Auto ist ohne Fehl und Tadel, den dem Ver­neh­men nach wegen völ­li­ger Über­las­tung berüch­tig­ten Tes­la Ser­vice muss­te ich bis­lang nicht bemü­hen. Vor Rei­se­an­tritt war der Kilo­me­ter­stand bei 14.652 km, nach der Rei­se 21.423 km. Obwohl es erst Ende August war, hat­te ich vor der Abfahrt Win­ter­rei­fen auf­ge­zo­gen, um nicht am Nord­kap bei plötz­li­chem Win­ter­ein­bruch festzusitzen.

Norwegens Straßen und Fähren

Die nor­we­gi­sche Ver­kehrs­in­fra­struk­tur ist in Anbe­tracht der geo­gra­phi­schen Bedin­gun­gen außer­or­dent­lich gut. Wie schwie­rig die Bedin­gun­gen sind, zeigt allein schon, dass es bis heu­te kei­ne Bahn­stre­cke nach Trom­sø gibt — in Nar­vik ist Schluss. Auch wenn die E6 als Lebens­ader Nor­we­gen von Oslo bis an die rus­si­sche Gren­ze nach Kirkenes ver­bin­det, kommt sie nicht ohne zumin­dest eine Fähr­ver­bin­dung aus. Den­noch: Nor­we­gen ist mit über 900 Ver­kehrs­tun­neln von ins­ge­samt über 750 km Län­ge (dar­un­ter der längs­te der Welt: der Laerd­al­tun­nel mit 24,5 km Län­ge) das Land der Tun­nel­bau­er. Dazu kom­men atem­be­rau­ben­de Brü­cken und Stra­ßen ent­lang der Fjor­dkan­ten. Maut ist ein gän­gi­ges Mit­tel, die Bau­kos­ten wie­der rein­zu­ho­len — und wenn die Kos­ten abbe­zahlt sind, wird die Maut nicht mehr erho­ben. Die Abrech­nung erfolgt voll­au­to­ma­tisch über RFID-Chip (sie­he oben: Pla­nung und Vor­be­rei­tung) oder mit auto­ma­ti­scher Autokennzeichen-Erkennung. 

Aus der Bord­ka­me­ra: Kühe am Stra­ßen­rand. Auch Ren­tie­ren und Scha­fen begeg­ne­te ich mehr­fach auf die­se Weise.

Abge­se­hen vom Groß­raum Oslo und den ande­ren gro­ßen Städ­ten wie Ber­gen, Trond­heim, Sta­van­ger etc. gibt es kei­ne Auto­bah­nen. Das ist auch nicht nötig, denn dort ist der Ver­kehr im All­ge­mei­nen über­sicht­lich. Das Stra­ßen­netz besteht zum Groß­teil aus zwei­spu­ri­gen Stra­ßen, das Tem­po­li­mit ist außer­orts 80 km/h. In Anbe­tracht der oft kur­vi­gen Stra­ßen ist das auch mehr als aus­rei­chend und auch auf den Gera­den rich­tig, wenn man nicht Elche, Ren­tie­re, Scha­fe oder Kühe abräu­men möch­te, die ins­be­son­de­re im Nor­den ger­ne mal über die Stra­ßen laufen. 

Beson­ders ent­lang der zer­klüf­te­ten Küs­te sind Fäh­ren nach wie vor nicht weg­zu­den­ken. Ich kam inner­halb von Nor­we­gen auf ins­ge­samt 14 Fähr­über­fahr­ten, die 13 Stun­den dau­er­ten und 225 Fähr­ki­lo­me­ter über­brück­ten. Zur Abrech­nung wird in der Regel ein­fach das Kenn­zei­chen gescannt. Der Blick vom Was­ser auf die gran­dio­se Land­schaft ist immer eine will­kom­me­ne Abwechs­lung. Falls das Wet­ter mal schlecht ist: Auf vie­len Fäh­ren ist das Auto­deck nicht geschlos­sen und man darf im Auto sit­zen blei­ben. Das ist gera­de im Tes­la sehr ange­nehm, weil er vie­le Unter­hal­tungs­mög­lich­kei­ten wie Net­flix an Bord hat (ist Teil des Soft­ware-Upgrade-Pakets, wel­ches man für 10 Euro monat­lich buchen kann). Die LTE-Infra­struk­tur in Nor­we­gen ist eine der bes­ten der Welt, 9 ich hat­te fast immer per­fek­tes Netz selbst in den ent­le­gens­ten Ecken. 

Auf der Fäh­re Gei­ran­ger — Hellesylt.

Die War­te­zei­ten der Fäh­ren sind in der Regel kurz, denn die Fäh­ren sind eng getak­tet (bei kur­zen Stre­cken 20 Minu­ten). Aus­nah­men sind die Fäh­ren ent­lang der Hel­ge­land-Küs­ten­stra­ße 17, bei denen man bis zu zwei Stun­den War­te­zeit ein­pla­nen muss. Hier habe ich es zudem ein­mal erlebt, nicht mehr auf die Fäh­re gepasst zu haben und war­ten zu müs­sen (obwohl ich recht­zei­tig da war). Des­we­gen soll­te man die­se Über­fahr­ten etwas sorg­fäl­ti­ger pla­nen und recht­zei­tig vor der Abfahrts­zeit erschei­nen (für den aktu­ell gül­ti­gen Fahr­plan ein­fach “[Start­ort] [Ziel­ort] fer­ry” in Goog­le suchen). Zu beach­ten: Es gibt auch pri­vat betrie­be­ne Fäh­ren (auf mei­ner Rou­te war dies eine Fäh­re am Gei­rang­erfjord). Bei denen funk­tio­niert die Abrech­nung auf her­kömm­li­chen Wege ohne Auto­pass und es kann deut­lich teu­rer werden.

Aus dem  Kurio­si­tä­ten­ka­bi­nett: An Stra­ßen­bau­stel­len mit “Manu­ell diri­ge­ring” steht an jedem Bau­stel­le­nen­de eine Per­son mit Kel­le. Hier muss man war­ten, bis das “Lede­bil” (Füh­rungs­fahr­zeug) die sich schnell bil­den­de Kolon­ne abholt. Das Lede­bil fährt immer hin- und her und gelei­tet die Auto­ko­lon­ne mit­ten durch die Bau­stel­le, direkt an den arbei­ten­den Stra­ßen­bau­ma­schi­nen vor­bei, ans siche­re ande­re Baustellenende.

Elektroautos in Norwegen

Quel­le: Alexanderjoahansen198, Wikipedia

In Nor­we­gen sind wirk­lich schon sehr vie­le Elek­tro­au­tos unter­wegs. Schwer vor­stell­bar aus deut­scher Sicht, aber es ist als Elek­tro­mo­bi­list eine wah­re Freu­de, sich im nor­we­gi­schen Ver­kehr zu bewe­gen. Ich habe alle aktu­ell ver­füg­ba­ren Model­le gese­hen, inklu­si­ve vie­ler, die ich bis­her nur aus der Pres­se kann­te — etli­che Audi e‑trons (sogar ein Sport­back), Mer­ce­des EQC, Pole­star 2, Nis­san Leaf, Renault Zoe, Hyun­dai Kona und Ioniq, Kia e‑Niro und natür­lich alle Tes­la-Model­le (nur das Model Y habe ich lei­der nicht zu Gesicht bekom­men). Wenn man sich Mal nicht sicher ist, ob’s elek­trisch ist — am Kenn­zei­chen kann man sie leicht iden­ti­fi­zie­ren: Alle Stro­mer sind mit dem Kür­zel EV, EL, EK oder EB vor der Num­mer ver­se­hen. Um die Häu­fig­keit zu illus­trie­ren: Ver­su­che ein­mal im nor­ma­len Ver­kehr in Deutsch­land, die Luft so lan­ge anzu­hal­ten, bis Du ein Elek­tro­au­to siehst — das könn­te schief­ge­hen. In Nor­we­gen ist das kein Pro­blem.10

Laden in Norwegen

Tes­las Super­char­ger Stand­or­te in Skan­di­na­vi­en, Stand Sep­tem­ber 2020 (copy­right: Tesla)

Grund­sätz­lich lief das Laden in Nor­we­gen wie erwar­tet wei­test­ge­hend pro­blem­los. Das Super­char­ger-Netz­werk ist in Nor­we­gen sehr gut aus­ge­baut. Kei­ne Über­ra­schung bei der neben Kali­for­ni­en ver­mut­lich höchs­ten Tes­la-Dich­te pro Ein­woh­ner. Nicht nur gibt es sehr vie­le Sta­tio­nen, son­dern auch je Sta­ti­on süd­lich von Trond­heim absurd vie­le Lade­punk­te. Beson­ders erfreu­lich ist auch der unglaub­lich güns­ti­ge Strom­preis an Super­char­gern von umge­rech­net nur 0,16 Euro/kWh (Däne­mark: 0,39 Euro, Deutsch­land 0,33 Euro). Auf mei­ner Tour mach­te ich von ins­ge­samt 49 Stops 38 an Super­char­gern. Gemit­telt habe für Strom über alle Lade­punk­te der gan­zen Rei­se damit nur 0,18 Euro/kWh bezahlt (3,03 Euro auf 100 km mit mei­nem Durch­schnitts­ver­brauch auf der Tour).

Es gab nur eini­ge weni­ge Orte, wo ich zwin­gend auf Nicht-Super­char­ger-Lade­punk­te ange­wie­sen war:

  • Nörd­lich von Sørk­jo­sen, wo es Stand August 2020 noch kei­ne Super­char­ger gibt (es sind wel­che geplant).
  • im Raum Tromsø;
  • ent­lang der Fv17 zwi­schen Bodø und Mo I Rana (Glomfjord);
  • rund um Brønnøysund/Torghatten.
Tief­ga­ra­ge mit Lade­buch­sen in Bodø.

Die Ladein­fra­struk­tur ist so all­ge­gen­wär­tig, dass man selbst im hohen Nor­den in Bodø in einer Tief­ga­ra­ge eine Lade­box an jedem Park­platz fin­den kann. ABER: Als Elek­tro­au­to-Tou­rist ist es gar nicht so ein­fach, die Sta­tio­nen zum Laden zu bewegen/zu bezah­len. Vie­le bie­ten Laden per SMS an, aber das funk­tio­niert nur mit einer nor­we­gi­schen SIM-Kar­te. Alter­na­tiv konn­te man sich bei dem jewei­li­gen Anbie­ter einen Account anle­gen — die­se Mög­lich­keit war aber nur für Skan­di­na­vi­er und Bri­ten vor­ge­se­hen. Eini­ge Lade­punk­te konn­te ich des­we­gen nicht nutzen.

Die Säu­len von Grønn Kon­takt hät­te ich zwei­mal (Trom­sø, Brøn­nøy­sund) gern benutzt, aber das klapp­te lei­der aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht: Den RFID-Chip im Vor­hin­ein zu orga­ni­sie­ren hat­te ich ver­säumt. Grønn Kon­takt bie­tet eine App an, die über die Tele­fon­rech­nung abrech­nen kön­nen soll. Das hat aber bei mir lei­der nicht funk­tio­niert, wobei es aber auch sein kann, dass ein­fach die Säu­len kaputt waren, denn in der Inter­char­ge-App wur­den die Säu­len als defekt ange­zeigt. Inter­char­ge habe ich damit in kei­nem Fall als Not­lö­sung aus­pro­bie­ren können.

Pro­blem­los dage­gen klapp­te das Laden mit der Plug­sur­fing-Lade­kar­te an For­t­um-Lade­säu­len, was ich ins­ge­samt vier­mal auf mei­ner Tour nutz­te  (2x Alta, Trom­sø und Bodø). Ohne die Kar­te wäre ich an den genann­ten Punk­ten viel­leicht gestran­det bzw. hät­te viel Zeit an lang­sa­men Not­lö­sun­gen ver­lo­ren. Die­se emp­feh­le ich defi­ni­tiv als Backup!

Ins­ge­samt fünf­mal nutz­te ich kos­ten­lo­se (bzw. im Über­nach­tungs­preis inbe­grif­fe­ne) Tes­la Desti­na­ti­on Char­ger (in Hirts­hals, Olderfjord, Lofo­ten, Glomfjord und Vik). Es wären noch zwei Näch­te mehr gewe­sen, wenn die Desti­na­ti­on Char­ger nicht schon belegt gewe­sen wären (Bodø, Kristiansand). 

Verbrauch, Reichweite und Ladepausen

Weil es zu den häu­figs­ten Fra­gen gehört, die Men­schen stel­len, die noch mit der Elek­tro­mo­bi­li­tät frem­deln, möch­te ich dem einen eige­nen Punkt wid­men. Hier die wich­tigs­ten Daten im Überblick:

Strecke: 7319 km
davon auf Fähren: 537 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 75 km/h
Gesamtverbrauch: 1.144 kWh
Durchschnittsverbrauch: 16,86 kWh/100km
Das Win­ter­rei­fen-Pro­fil an mei­nem Tes­la Model 3.

16,86 kWh ent­spricht vom Ener­gie­ge­halt dem Ver­brauch von 1,72 l Die­sel auf 100 km. Der Norm­ver­bauch des Model3 SR+ liegt eigent­lich sogar nur bei 14,3 kWh/100km, doch das habe ich aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht erreicht. 

Beim Elek­tro­au­to wir­ken sich auf­grund der hohen Effi­zi­enz exter­ne Fak­to­ren sehr stark auf den Ver­brauch aus. Ich gehe davon aus, dass der Löwen­an­teil des Über­ver­brauchs aufs Kon­to der Win­ter­rei­fen geht, die einen höhe­ren Roll­wi­der­stand haben. Dar­über hin­aus spielt die nied­ri­ge Tem­pe­ra­tur eine wich­ti­ge Rol­le. Nörd­lich von Trond­heim hat­te ich mit Aus­nah­me der Lofo­ten oft nur 10–12° C, nachts ging’s run­ter bis auf 3° C (da bin ich aber nicht gefah­ren). Tiefs­ter gemes­se­ner Wert waren 2° C auf 1200 Meter über dem Mee­res­spie­gel bei einer Fahrt durchs Aur­landfjell (das Hoch­land ober­halb des Laerd­al­tun­nels), da stieg der Ver­brauch auch mal kurz­zei­tig auf 25 kWh/100km an. Dazu sind im Ver­brauch sämt­li­che ande­ren Strom­nut­zer mit drin: Die Kli­ma­an­la­ge inkl. Cam­ping (drei Näch­te), Sen­try-Modus, Net­flix sowie Laden von Lap­top und Handy.

Ladezeit gesamt: 44 Stunden
davon on the road: 19 Stunden
Ladestopps gesamt: 49
davon on the road: 38
davon Supercharger-Stopps: 32
Durchschnittlich zurückgelegte Strecke/Tag: 523 km
Durchschnittliche Zeit unterwegs (Auto/Fähre)/Tag: 8 Stunden
Ladestopps on the road im Schnitt pro Tag: 2,7
Ladezeit on the road im Schnitt pro Tag: 82 Minuten

Bei 523 km bzw. 8 Stun­den Fahrtzeit/Tag waren es im Schnitt knapp drei Lade­stopps pro Tag von je knapp 30 Minu­ten. Das ist nach 2 Stun­den Fahrt aber auch gern genom­men bzw. nötig — zum Bei­spiel für eine Toi­let­ten­pau­se, einen Imbiss, um sich die Bei­ne zu ver­tre­ten oder auch ein­fach die nächs­ten Schrit­te zu pla­nen. Die längs­te gefah­re­ne Ein­zel­etap­pe war vier Stun­den lang (282 km), die häu­figs­ten Stopps mach­te ich am vor­letz­ten Tag mit sechs Stopps auf 681 km mit einer Gesamt-Lade­dau­er von 107 Minu­ten (Durch­schnitt 18 Minuten/Stop). Wenn man die Lade­kur­ve gut aus­nutzt, kann man die Stopps sehr kurz hal­ten: Opti­mal ist sie zwi­schen 10% und 50%, weil der Tes­la da mit 100 kW oder mehr lädt. Zu kur­ze Stopps machen aller­dings auch kei­nen Sinn wegen der Minu­ten, die man für Anfahrt und Abfahrt verbraucht.

Die meis­te Lade­zeit fiel wie erwar­tet an lang­sa­men Desti­na­ti­on Char­gern über Nacht an. Das hät­te ich gern noch öfter gemacht — defi­ni­tiv die smar­tes­te Art zu laden und in der elek­tro­mo­bi­len Zukunft sicher bald so nor­mal, wie es ein­mal gute Sit­te war, sei­nem Rei­se­pferd bei der Ein­kehr einen Eimer Hafer hinzustellen.

Camping im Model 3

Auf dem Cam­ping­platz in Ski­botn am Lyn­gen­fjord. Das Bett ist gemacht, die Fens­ter iso­liert mit den Sunsha­des. Das Dach­fens­ter bleibt unver­deckt für die Polarlichter.

In den 14 Tagen habe ich letzt­lich doch nur drei Näch­te im Auto geschla­fen und nicht sie­ben, wie ursprüng­lich angepeilt.

Zum einen muss­te ich fest­stel­len, dass die Tes­mat für mich doch gern noch ein biss­chen dicker hät­te sein dür­fen. Es ging und ist durch­aus bequem — aber ich den­ke, mit einer dicke­ren Matrat­ze hät­te ich ins­ge­samt bes­ser geschla­fen. Immer­hin war ich so alle drei Male sehr früh wach und bin schon vor sie­ben Uhr losgekommen. 🙂

Der bekann­te Elek­tro­mo­bi­li­täts-You­tuber und Nor­we­ger Björn Nyland ver­riet in einem sei­ner letz­ten Matrat­zen-Test­vi­de­os, dass er eigent­lich immer nur auf einer ein­mal gefal­te­ten Ikea Matrat­zen­auf­la­ge “Tud­dal” im Model3 schläft, viel­leicht lege ich mir die noch oben­drauf oder mei­ne selbst­auf­bla­sen­de Iso­mat­te drunter. 

Die Tes­mat ist den­noch kein Fehl­kauf: Sie hat am Kopf­en­de Holz­plat­ten unter der Matrat­ze ein­ge­baut, so dass die Bett­län­ge über die umge­klapp­ten Rück­sitz­leh­nen hin­aus ver­grö­ßert wird. Mit mei­nen 1,82m passt das gera­de so, dia­go­nal sehr bequem. Zu zweit mag das für schma­le und nicht zu gro­ße Men­schen funk­tio­nie­ren, aber da muss man sich schon sehr mögen.

Zum ande­ren wur­de mir auf der Rei­se klar, dass bei so viel Auto­fah­ren am Tag ein rich­ti­ges Bett eigent­lich ganz schön ist am Ende des Tages und ein ordent­li­ches Früh­stück am nächs­ten Mor­gen auch nicht zu ver­ach­ten ist.

Die Sunsha­des sind abso­lut emp­feh­lens­wert, sor­gen sie doch für Pri­vat­sphä­re (man kann das Glas­dach natür­lich offen las­sen, wenn man will) und däm­men den Innen­raum, was den Strom­ver­brauch der Kli­ma­an­la­ge senkt. 

Polar­lich­ter habe ich lei­der nicht gese­hen — ent­we­der es war zu bewölkt oder es war zu hell. Ins­ge­samt war es noch sehr früh in der Sai­son, im Win­ter­halb­jahr sind die Chan­cen wohl wesent­lich grö­ßer. Die bes­ten Chan­cen hat­te ich aus­ge­rech­net in der Nacht, in der ich in Trom­sø war — mit­ten in der zwar wol­ken­lo­sen, aber hell erleuch­te­ten Stadt. Auf dem Ipho­ne habe ich als Vor­her­sa­ge-Tool “Auro­ra” benutzt (kos­ten­los mit Werbung).

Ein paar Camping-Kurztipps:

  • Das Model 3 idea­ler­wei­se mit der Front etwas berg­ab par­ken, weil die Lie­ge­flä­che nicht ganz gera­de ist. Auf der umge­klapp­ten Rück­bank liegt man sonst etwas aufwärts.
  • Der Camp-Modus-Screen ist ja ganz hübsch anzu­se­hen, mir aber zum Schla­fen zu hell. Ich lege da immer ein Hand­tuch drüber.
  • Die Kli­ma­an­la­ge auf Camp-Modus stel­len. Vor dem Ein­schla­fen Blue­tooth auf dem Han­dy aus­ma­chen und per App die Türen abschlie­ßen. So ist sicher­ge­stellt, dass das Auto nicht durch den Han­dy­schlüs­sel remo­te auf­ge­schlos­sen wird, wenn jemand den Tür­öff­ner von außen betä­tigt. Aber mor­gens auf­pas­sen, dass man ent­we­der den Han­dy­schlüs­sel wie­der akti­viert oder zumin­dest immer eine Schlüs­sel­kar­te dabei hat, wenn man aussteigt.
Meine Camping Locations:
- Alvdal Supercharger
- Skibotn Supercharger
- Zwischen Finneidfjord und Bjerka, Parkplatz an der E6 
- Wo ich nicht gecampt habe, aber hätte campen sollen (ein absolutes Highlight): Lofoten Beach Camp

Mehr Infos zu den Loca­ti­ons in der Beschrei­bung der Etappen.

Die Hotels

Hotel Nor­ge, Kristiansand.

Ich hat­te sehr gemisch­te Erfah­run­gen mit den Hotels/Motels/Unterkünften. In jedem Hotel blieb ich nur eine Nacht. Von Abstei­ge bis gefühl­tes Luxus­ho­tel war alles dabei, und das kor­re­spon­dier­te nicht immer mit den Prei­sen. Ins­ge­samt sind Hotel­über­nach­tun­gen in Nor­we­gen mei­ner Erfah­rung gemes­sen an der Qua­li­tät der Hotels ver­gleichs­wei­se teu­er, aber es waren auch sehr preis­wer­te Über­nach­tun­gen dar­un­ter. Hät­te ich frü­her reser­viert und län­ger güns­ti­ge Unter­künf­te gesucht, hät­te ich sicher noch bil­li­ger davon­kom­men kön­nen. Alle Detail-Infos zu “mei­nen” Hotels fin­det ihr bei den ein­zel­nen Etap­pen im nächs­ten Teil.

Zur Beschrei­bung der ein­zel­nen Etap­pen (Teil 2)…

2 Gedanken zu „Unter Strom bis ans Ende der Welt — und zurück“

  1. Moin
    Ohne Wor­te ein­fach nur gut ! Eine Rei­se mit Hori­zont Erwei­te­rung für Ein­drü­cke über Nach­bar­län­der und E‑Mobilität! Respekt!

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