Unter Strom bis ans Ende der Welt — und zurück: Die Etappen

Ein elek­tri­scher Road­t­rip im Jahr der Pan­de­mie nach Nor­we­gen bis ans Ende Euro­pas. Allein von Ham­burg zum Nord­kap und zurück in 14 Tagen mit dem Tes­la Model 3 SR+. Ein Rei­se­be­richt (Teil 2/2).

Dies ist Teil 2 des Rei­se­be­richts, falls Du ihn noch nicht gele­sen hast: Hier fin­dest Du Teil 1.

Ich lis­te in der Beschrei­bung Etap­pen­be­schrei­bung nur Abfahrt und Ankunft, Lade­stopps und Fäh­ren auf (Aus­nah­me Tor­g­hat­ten — der liegt so weit abseits, das muss­te ein eige­ner Stopp sein). Alle ande­ren Stopps tou­ris­ti­scher Art, Pau­sen, Ein­käu­fe oder auch War­te­zei­ten an Fäh­ren sind nicht extra erwähnt.

Tag 1: HAMBURG - HIRTSHALS
Tag 2: HIRTHALS - LARVIK - ALVDAL
Tag 3 - ALVDAL - MO I RANA
Tag 4 - MO I RANA - SKIBOTN
Tag 5 - SKIBOTN - OLDERFJORD - NORDKAPP - OLDERFJORD
Tag 6 - OLDERFJORD - TROMSØ
Tag 7 - TROMSØ - LOFOTEN
Tag 8 - LOFOTEN - BODØ
Tag 9 - BODØ - GLOMFJORD - MO I RANA - FINNEIDFJORD
Tag 10 - FINNEIDFJORD - BRØNNØYSUND - VIK
Tag 11 - VIK - TRONDHEIM - ATLANTIKSTRASSE - ÅNDALSNES
Tag 12 - ÅNDALSNES - GEIRANGER - LÆRDALSØYRI
Tag 13 - LÆRDALSØYRI - BERGEN - STAVANGER - KRISTIANSAND
Tag 14 - KRISTIANSAND - HAMBURG

Tag 1: HAMBURGHIRTSHALS

Donnerstag, 27.8.2020
Abfahrt 17:39 Uhr
Hamburg - Supercharger Rødekro - 191 km
Ladepause 29 Minuten
Supercharger Rødekro - Supercharger Randers - 178 km
Ladepause 19 Minuten
Supercharger Randers - Montra Skaga Hotel Hirtshals - 153 km
Ankunft 23:27 Uhr
522 km

Hirtshals - Montra Skaga Hotel
Kosten: Sehr hoch, ca. 140 Euro
Ausstattung: Alt, funktional
Bett: Gut
Bad: Ok
Frühstück: Gut
Service: Ok
Destination Charger: Ja, zwei Stück. Im Preis mit drin. Einer von zwei Chargern war zugeparkt durch Verbrenner.
Parken: Ja, kostenlos

Tag 2: HIRTHALSLARVIKALVDAL

Freitag, 28.8.2020
Abfahrt ca. 11:00 Uhr
Montra Skaga Hotel - Fähre Hirtshals - 1 km
Fähre ColorLine Hirtshals - Larvik 12:45 Uhr - 16:30 Uhr - 169 km
Larvik - Supercharger Eidsvoll - 198 km
Supercharger Eidsvoll - Supercharger Alvdal - 247 km
Camping
Ankunft 23:07 Uhr
615 km (gefahren 446km)

Gleich am ersten Tag bin ich doch bis in die Nacht hinein gefahren. Das Wetter war gut und ich war überrascht, wie lange der Himmel noch nicht richtig dunkel wurde. Ein Stopp beim großen verchromten Elch am Wegesrand musste sein, so wurde es noch etwas später. Direkt am Supercharger in Alvdal ist ein großer Parkplatz, wo viele LKW-Fahrer übernachten - da habe ich mich dazugestellt, es war schon zu spät, um noch einen richtigen Campingplatz zu suchen. Morgens fix umgeparkt an den Charger, wieder aufgeladen und weiter.
Das Teil mag durch­ge­knallt sein, aber immer­hin geht die Künst­le­rin all-in und strahlt das über 10 Meter hohe Mons­trum nachts bunt an.

Tag 3 — ALVDALMORANA

Samstag, 29.8.2020
Abfahrt 7:00 Uhr
Supercharger Alvdal - Supercharger Stjørdal - 222 km
Supercharger Stjørdal - Supercharger Grong - 168 km
Supercharger Grong - Supercharger Mo I Rana - 283 km
Supercharger Mo I Rana - Scandic Meyergården Hotel - 2 km
Ankunft 18:27 Uhr
675 km

Eigentlich hatte ich mir das “Clarion Collection Hotel Helma” in Mo I Rana ausgeguckt, da es einen Destination Charger hat. Das nannte am Telefon aber einen so unverschämt hohen Preis von über 160 Euro, dass ich mich letztlich fürs Scandic Meyergården entschied.

Mo I Rana - Scandic Meyergården Hotel
Kosten: Recht hoch, ca. 109 Euro
Ausstattung: Ok
Bett: Gut
Bad: Ok
Frühstück: Gut
Service: Ok
Destination Charger: Nein 
Parken: Eigentlich ja und kostenlos. Aber der Parkplatz war völlig überfüllt und nicht reservierbar. Da ich am Wochenende da war, konnte ich auf der Straße parken ohne Parkschein.

Tag 4 — MO I RANASKIBOTN

Sonntag, 30.08.2020
Abfahrt 8:03 Uhr
Scandic Meyergården Hotel - Supercharger Storjord - 115 km
Supercharger Storjord -  Supercharger Innhavet - 181 km
Supercharger Innhavet - Fähre Bognes - 47 km
Fähre Bognes - Skarberget - 9 km
Skarberget - Supercharger Setermoen - 154 km
Supercharger Setermoen - Supercharger Skibotn - 136 km
Camping
Ankunft 19:34 Uhr
642 km (gefahren 633 km)

Am Zielort gegenüber der E6 auf der anderen Seite vom Supercharger ist der Campingplatz Skibotn Camping, direkt am Lyngenfjord gelegen (siehe Bild oben). Ich habe ca. 20 Euro für die Nacht bezahlt, um mich dort hinstellen und das Bad benutzen zu dürfen. Ein schöner Ort mit tollem Blick auf den Gletscher gegenüber, empfehlenswert. Morgens wieder schnell zum Supercharger, die Campingnacht-Verluste ausgeglichen und weiter.
Zeit­raf­fer-Video Dash­cam von Mørs­vik­botn nach Innhavet

Tag 5 — SKIBOTNOLDERFJORDNORDKAPPOLDERFJORD

Montag, 31.8.2020
Abfahrt 4:48 Uhr
Supercharger Skibotn - Supercharger Sørkjosen - 99 km
Supercharger Sørkjosen - Fortum Hurtiglader Alta - 166 km
Fortum Hurtiglader Alta - Olderfjord Turistsenter - 110 km
Olderfjord Turistsenter - Nordkapp - 129 km
Nordkapp - Olderfjord Turistsenter - 129 km
Ankunft 18:36 Uhr
633 km

Ich weiß nicht, warum ich schon so früh wach war, vielleicht war ich einfach zu aufgeregt. Im Nachhinein ein Glücksfall, denn nur so war es möglich, es an nur einem Tag bis zum Nordkap und zurück zu schaffen, ohne in die Dunkelheit zu geraten. Die Strecke von Alta nach Olderfjord führt über weite Strecken schnurgerade durch ein baumloses Gebiet. Hier erst habe ich die ersten Rentiere gesehen.
Ich hätte es vom letzten, nördlichsten Supercharger in Sørkjosen wohl bis nach Olderfjord geschafft ohne Ladestopp in Alta, aber der Lader in Alta war die letzte Schnelllade-Option bis zum Nordkap. In Olderfjord kam ich um 11:43 Uhr mit einer Restreichweite von ca. 214 km an. Dort habe ich dann eine Pause von 2,5 Stunden am Destination Charger eingelegt und nochmal 14 kWh nachgeladen, bevor ich um 14:19 zur großen letzten Etappe startete. Ich wusste nicht, wie kalt es am Kap wird und der Strom musste hin und zurück reichen. Mein Backup waren zwei Destination Charger in Honningsvåg, aber darauf musste ich letztlich nicht zurückgreifen. Ich kam mit 33 km Restreichweite wieder nach Olderfjord zurück. 
Erwähnenswert ist noch, dass das Nordkapp Eintritt kostet und mit ca. 20 Euro für ein Auto (ohne Museum, wohlgemerkt) ziemlich teuer ist.
Eigentlich wäre ich gern länger in der Gegend geblieben. Aber ich hatte noch viel vor und die spärliche Ladesituation machte spontane Entscheidungen schwierig. Es sei angemerkt, dass Tesla laut Webseite viele Supercharger im Norden Norwegens noch für 2020 plant, u.a. auch in Alta und Olderfjord. Gesehen habe ich davon noch nichts an den markierten Orten. Wenn diese online gehen, wird der Trip zum Nordkap ein Spaziergang entlang der Supercharger-Perlenkette.

Olderfjord - Olderfjord Turistsenter
Kosten: Unklar, irgendwo bei 80 Euro?
Ausstattung: Einfach
Bett: Ok
Bad: Einfach
Frühstück: Nein
Service: Das Hotel war eigentlich bereits wegen Saisonende geschlossen, aber ich habe die Besitzerin telefonisch erreicht. Sie wollte mir im Briefkasten einen Schlüssel für ein Zimmer hinterlegen und sich später melden und nochmal vorbeikommen wegen Bezahlung. Den Schlüssel habe ich gefunden, das Zimmer auch - aber die Besitzerin kam nicht. Ich bin dann irgendwann schlafen gegangen. Ich war offenkundig der einzige Gast in einem Hotel mit ca. 30 Zimmern. Es war eine extrem seltsame Erfahrung, wie ein Geisterhotel. Morgens habe ich geduscht, meine Sachen ins Auto gepackt und versucht, die Besitzerin nochmal telefonisch zu erreichen - ohne Erfolg. Ich habe anschließend eine E-Mail geschrieben mit der Bitte um Bezahldaten. Bis heute habe ich keine Antwort und weiß nicht, was die Nacht gekostet hat.
Destination Charger: Ja, drei. Kostenlos
Parken: Ja, kostenlos
Zeit­raf­fer-Video Dash­cam von Alta nach Olderfjord

Tag 6 — OLDERFJORDTROMSØ

Dienstag, 1.9.2020
Abfahrt 8:15 Uhr
Olderfjord Turistsenter - Fortum Hurtiglader Alta - 110 km
Fortum Hurtiglader Alta - Supercharger Sørkjosen - 166 km
Supercharger Sørkjosen - Supercharger Skibotn - 99 km
Supercharger Skibotn - Fortum Hurtiglader Tromsø 131 km
Fortum Hurtiglader Tromsø - Smarthotel Tromsø - 8 km
Ankunft 18:35 Uhr
514 km

Das Scandic Ishavshotel mit Destination Charger, das ich mir in der Reiseplanung ausgeguckt hatte, überraschte erneut mit einem Preis jenseits der 160 Euro/Nacht, weshalb ich mich kurzerhand fürs Smarthotel entschied. Darum musste ich mir eine andere Lademöglichkeit suchen - und das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Ich probierte zunächst einen Schnelllader an einer “Cirkle K” - Tankstelle - stellte aber fest, dass Plugsurfing damit nicht funktionierte und Intercharge die Säule nicht kannte. Next Stop Ladesäule Grønn Kontakt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass man sich eine App runterladen kann, und versuchte es per Plugsurfing, SMS, rief den Tech Support an (nur norwegisch), schaute auf der Webseite nach (nur norwegisch/schwedisch) - ohne Erfolg. Ziemlich entnervt fand ich dann mit der Going Electric Stromtankstellenübersicht endlich eine Fortum-Säule am Flughafen, die mit Plugsurfing Karte funktionierte.
Zu erwähnen ist noch, dass Parken in Tromsø grundsätzlich Geld kostet. In den Stadtstraßen muss man genau aufpassen, wo man überhaupt stehen darf, und dann nur mit Parkschein. Es gibt keine Rabatte oder frei parken für Elektroautos.

Tromsø - Smarthotel Tromsø
Kosten: Günstig, 65 Euro
Ausstattung: Modern, ok
Bett: Gut
Bad: Ok
Frühstück: Gut
Service: Ok
Destination Charger: Nein
Parken: Nein. Es gibt ein “Budget”-Parkhaus eine Straße weiter runter gen Hafen, das kostet aber auch gleich ca. 20 Euro für 24 Stunden.

Tag 7 — TROMSØLOFOTEN

Mittwoch, 2.9.2020
Abfahrt 8:52 Uhr
Smarthotel Tromsø - Supercharger Setermoen - 123 km
Supercharger Setermoen - Supercharger Svolvær - 250 km
Supercharger Svolvær - Lofoten Beach Camp - 125 km
Ankunft 19:17 Uhr
498 km

Die Lofoten haben sich als das nächste große Highlight herausgestellt. Die Landschaft ist noch einmal abwechslungsreicher und krasser als auf dem norwegischen Festland. Die Berge sind spitzer, das Wasser blauer (teils karibisch türkis) und die Straßen abenteuerlicher. Man könnte vereinfacht sagen: Was Norwegen ausmacht, sind die Lofoten umso mehr.
Der Supercharger in Svolvær ging erst ein paar Wochen vor meiner Reise online, was die Ladeplanung stark vereinfachte.
Eine absolute Empfehlung ist ein Abstecher nach Henningsvær. Da findet sich nicht nur der absurdeste Fußballplatz auf einer Insel mitten im Meer, welcher wohl einer der meist-drohnenfotografierten Fußballplätze der Welt sein dürfte (die Anwohner sind schon so genervt, dass man überall “NO DRONE ZONE” Schilder sieht). Auch das Dorf selbst ist auf einer vorgelagerten Inselgruppe im Meer gelegen, nur durch zwei schmale Brücken mit den Hauptinseln der Lofoten verbunden.1 Atemberaubendes Panorama, wohin man schaut!
Im Lofoten Beach Camp habe ich zwar nicht gecampt, hätte ich im Nachhinein aber vielleicht lieber getan. Entweder im Auto übernachtet oder im Zelt am Strand. Der ist nämlich sehr schön und es war mit 17° C unverschämt warm dort. Ein wirklich schöner Ort. Das Beach House als Hotel für den Einzelgast ist eher nicht zu empfehlen.

Lofoten - Lofoten Beach Camp
Kosten: Vergleichsweise teuer, 84 Euro (Zimmer im Beach House)
Ausstattung: Einfach, sehr hellhörig
Bett: Einfach
Bad: Gemeinschaftsbad, einfach
Frühstück: Nein
Destination Charger: Ja, einer. Sollte laut Going Electric eigentlich ca. 10 Euro Aufpreis kosten. Der Mann am Tresen wusste aber nichts von einem Ladepunkt für Elektroautos und bot mir an, stattdessen kostenlos eine normale Steckdose hinterm Haus zu nehmen. Ich habe mich bedankt, den Ladepunkt dank Going Electric dann aber selbst gesucht und gefunden, er funktionierte auch ohne Anmeldung.
Parken: Ja, kostenlos

Tag 8 — LOFOTEN — BODØ

Donnerstag, 3.9.2020
Abfahrt 8:00 Uhr
Lofoten Beach Camp - Fähre Moskenes Bodø - 23 km
Fähre Moskenes - Bodø - 97 km
Bodø Fähranleger - Skagen Hotel Bodø - 2 km
123 km (gefahren 26 km)

Da meine Fähre erst abends fuhr, machte ich mir einen schönen ruhigen Tag auf den Lofoten. Es war sehr warm mit 17° C und bis nachmittags kaum Wolken am Himmel. Ich wanderte ein wenig am Reinebringen (ein Berg, dessen Gipfel über 1500 steinbehauene, steile Stufen zu erreichen ist. Wer sich fit genug fühlt - nur zu!) und schaute mir das letzte Dorf Å i Lofoten und das Ende der Europastraße an. Im Nachhinein denke ich, hätte ich noch zwei Tage mehr dort verbringen können, um zum Beispiel auch noch Langøya und Andøya zu erkunden. Wer eine Reise in den hohen Norden plant, der/die nehme sich Zeit für die Lofoten. Es lohnt sich!

Bodø - Skagen Hotel
Kosten: Angemessen, ca. 75 Euro
Ausstattung: Recht modern
Bett: Gut
Bad: Gut
Frühstück: Gut
Service: Ok, mit Abzug in der B-Note (siehe unten)
Destination Charger: Ja, einer. Den hatte mir die Dame bei der Reservierung auch versprochen - als ich spät ankam, wie angekündigt, war der aber schon an einen anderen Gast vergeben worden. In der Tiefgarage vorm Hotel waren zwar eine Menge anderer Ladepunkte, die konnte ich als Deutscher aber nicht nutzen (siehe im Artikel: Laden in Norwegen).
Parken: Ja, in der Tiefgarage für ca. 5 Euro über Nacht

Tag 9 — BODØGLOMFJORDMO I RANAFINNEIDFJORD

Freitag, 4.9.2020
Abfahrt 9:03 Uhr
Skagen Hotel Bodø - Fortum Hurtiglader Mørkved - 9 km
Fortum Hurtiglader Mørkved - Meloy Adventure Glomfjord - 132 km
Meloy Adventure Glomfjord - Forøy - 35 km
Fähre Forøy - Ågskardet - 3 km
Ågskardet - Jektvik - 29 km
Fähre Jektvik - Kilboghamn - 19 km
Kilboghamn - Supercharger Mo I Rana - 98 km
Supercharger Mo I Rana - Parkplatz E6 bei Finneidfjord - 27 km
Camping
Ankunft 21:38 Uhr
353 km (gefahren 331 km)

Hätte ich den Destination Charger im Skagen Hotel bekommen und somit über Nacht laden können wie geplant, wäre ich vermutlich deutlich weiter gekommen, als ich es letztlich bin - was vor allem an der Fähre lag, zu der ich dadurch zu spät kam. Ich begann den Tag also mit einem Stop am Fortum Charger und lud das allererste Mal meine Batterie auf 100%. Von dort startete ich erst um 10:30 Uhr.
Ich machte noch einen Stopp am Saltstraumen, eine Fjordenge, in der das Wasser sehr schnell hinein- und wieder herausfließt und heftige Strudel bildet. Darüber spannt sich eine atemberaubende Brücke.
Trotz 100%-Ladung in Mørkved war ich mir nicht sicher, die Etappe entlang der Helgeland-Küste ohne Zwischenstopp bis Mo I Rana in einem Rutsch zu schaffen. Darum fragte ich lieber zur Sicherheit bei “Meloy Adventure” in Glomfjord nach, die den einzigen Destination Charger (4KW) weit und breit in der Gegend haben, ob ich dort eventuell ein paar kWh laden könne. Der nette Besitzer erlaubte mir nicht nur das kostenlose Laden, sondern verriet mir auch, wo der Schlüssel für die Hütte ist, und lud mich ein, mir doch einen Tee zu machen. Er kam dann auch noch vorbei und wir plauderten eine Weile. Ein Ort, den ich als Basiscamp für Abenteuerurlaub und Gletschertouren am Svartisen empfehlen kann, die Hütte ist ordentlich und die Gegend wunderschön!
In Jektvik kam ich zwar rechtzeitig zur Fähre, aber kam nicht mehr drauf wegen zu vieler Fahrzeuge vor mir und musste 2,5 Stunden auf die nächste Fähre warten. Die Überfahrt bot allerdings dann auch spektakuläre Aussicht auf die Helgelandküste bei sehr gutem, sonnigen Wetter.
Nach der Überfahrt steuerte ich wieder den Supercharger in Mo i Rana an. Doch ich wollte dort nicht bleiben und suchte eine dunkle Stelle weiter abwärts der E6 in der Hoffnung, doch noch Nordlichter zu sehen. Ich hatte kein Glück - Es war zwar dunkel, aber bewölkt.
Zeit­raf­fer-Video der Hel­ge­land­küs­te von der Fäh­re Jekt­vik — Kilbogshamn

Tag 10 — FINNEIDFJORDBRØNNØYSUND — VIK

Samstag, 5.9.2020
Abfahrt 6:00 Uhr
Parkplatz E6 bei Finneidfjord - Supercharger Mosjøen North - 59 km
Supercharger Mosjøen North - Tjøtta - 100 km
Fähre Tjøtta - Forvik - 17 km
Forvik - Andalsvågen - 17 km
Fähre Andalsvågen - Horn - 5 km
Horn - Torghatten - 31 km
Torghatten - Vik Sømna Kro & Gjestegård - 51 km
Ankunft 15:25 Uhr
280 km (gefahren 257 km)

Im Supercharger-losen Brønnøysund hatte ich mir bei meiner Planung einen Grønn Kontakt Charger ausgesucht als Ladepunkt. Diesmal hatte ich auch die App installiert und war guter Dinge, dass das klappt. Dazu hatte ich mir als Backup einen langsamen Destination Charger am Flughafen Brønnøysund ausgeguckt. 
Leider funktionierte der Grønn Kontakt Lader nicht und meldete in der App ein Problem. Dann suchte ich die Backup-Station auf, nur um festzustellen, dass diese gerade besetzt war. Also disponierte ich um und entschied mich, hier ein Hotel mit Lader zu suchen. Ich fand das Sømna Kro & Gjestegård in Vik, was sich letztlich als Glücksfall herausstellte. Ich hatte sogar noch genug Strom, um vorher beim Torghatten vorbeizuschauen und kam mit 8% Ladestand in Vik an.

Vik - Sømna Kro & Gjestegård (Motel)
Kosten: Angemessen, ca. 80 Euro
Ausstattung: Einfach
Bett: Einfach
Bad: Ok
Frühstück: Ok
Service: Gut. Sehr freundlich
Destination Charger: Ja, drei Stück verfügbar. Im Preis mit drin. Große Nachfrage - später am Abend waren alle drei belegt.
Parken: Ja, kostenlos
Habe dort im Motel-Restaurant zu Abend gegessen. Sehr gut!

Tag 11 — VIKTRONDHEIMATLANTIKSTRASSEÅNDALSNES

Sonntag, 6.9.2020
Abfahrt 8:20 Uhr 
Vik Sømna Kro & Gjestegård - Vennesund - 14 km
Fähre Vennesund - Holm - 5 km
Holm - Supercharger Grong - 120 km
Supercharger Grong - Supercharger Levanger - 124 km
Supercharger Levanger - Supercharger Leinstrand/Klett - 96 km
Supercharger Leinstrand/Klett - Supercharger Berkåk - 68 km
Supercharger Berkåk - Supercharger Aspøya - 172 km
Supercharger Aspøya - Sølsnes - 133 km
Fähre Sølsnes - Åfarnes - 12 km
Åfarnes - Supercharger Åndalsnes/Hotel Geist - 33 km
Ankunft 23:19 Uhr
777 km (gefahren 760 km)

Nach all den ungeplanten Verzögerungen wollte ich nun vorwärts kommen und wusste schon, dass ich nicht wie zunächst angedacht in Trondheim Station machen würde. Der aufregende Sonnenuntergang kurz vor Kristiansund führte zu meiner Entscheidung, doch schon am gleichen Tag die berühmte Atlantikstraße zu fahren. Die Sonne war zwar schon untergegangen, als ich dort ankam, aber das Licht und die Wolken boten dennoch ein tolles Panorama. Weil mein nächster geplanter Stop Åndalsnes war und nur noch ca. 100 km entfernt, fuhr ich dann noch die letzten Kilometer bis in die Dunkelheit bis zum Ziel. Da das angesteuerte Hotel Geist die beste Unterkunft der Reise war, bereue ich dies auch keineswegs. Meine Empfehlung! Vielleicht auch ein guter Stop für zwei Nächte und einen Trip hinauf zur Rampestreken.

Åndalsnes - Hotel Geist
Kosten: Angemessen, ca. 99 Euro
Ausstattung: Modern, Top
Bett: Top
Bad: Top
Frühstück: Gut
Service: Sehr remote (abends nur telefonisch/per SMS), aber gut
Destination Charger: Nein. Aber der Supercharger Åndalsnes ist direkt am Gebäude vor der Tür mit 10-12 Ladepunkten.
Parken: Ja, kostenlos
Früh reservieren empfohlen - ich hatte Glück, dass ich noch ein Zimmer bekommen habe, als ich bei meiner Ankunft per Handy ein Zimmer buchte.
Atlan­tik­stra­ße nach Son­nen­un­ter­gang mit Kai­zers Orche­s­tras „Fra Sjå­før Til Pas­sas­jer“ im Hintergrund.

Tag 12 — ÅNDALSNESGEIRANGERLÆRDALSØYRI

Montag, 7.9.2020
Abfahrt 10:33 Uhr 
Supercharger Åndalsnes/Hotel Geist - Linge - 59 km
Fähre Linge - Eidsdal - 3 km
Eidsdal - Geiranger - 25 km
Fähre Geiranger - Hellesylt - 20 km
Hellesylt - Lote - 73 km
Fähre Lote - Anda - 2 km
Anda - Supercharger Sandane - 12 km
Supercharger Sandane - Mannheller - 119 km
Fähre Mannheller - Fodnes - 3 km
Fodnes - Supercharger Lærdal - 17 km
Supercharger Lærdal - Lærdalsøyri Laerdal Holiday and Leisure Park - 7 km 
Ankunft 20:45 Uhr
340 km (gefahren 312 km)

Nach der langen Fahrt am Tag zuvor ließ ich mir heute Zeit und fuhr erst spät los zum nächsten Highlight: Der Serpentinenstraße Trollstigen. Das ist nicht nur ein Riesenspaß, mit dem Elektroauto hinaufzusprinten wie eine Bergziege, weil es nach jeder Haarnadel seine Beschleunigungsvorteile voll ausspielen kann (wenn man es einrichten kann, nicht hinter einem Wohnmobil festzuhängen), sondern ist auch in einem sehr malerischen Tal gelegen. Am oberen Ende gibt es einen Parkplatz und schick gebaute moderne Aussichtsplattform, die einen tollen Blick hinunter erlaubt. 
Kurz darauf folgt bereits der ebenso großartige Aussichtspunkt in mehreren hundert Metern Höhe am Geirangerfjord, bevor man eine ähnlich haarnadelreiche Straße den Berg hinunter zum Dorf und dem Fähranleger herabfährt.
Die mit ca. 60 Euro sehr teure, privat betriebene Fähre nach Hellesylt musste ich nehmen, weil ich den nächsten Supercharger in Sandane auf dem Umweg ohne die Fähre nicht sicher erreicht hätte. Aber ich kann die etwa einstündige Fahrt trotz des hohen Preises empfehlen, denn der Geirangerfjord ist mit seinen vielen Wasserfällen und verlassenen Höfen toll anzuschauen vom Wasser aus.
Die Ziel-Unterkunft in Lærdalsøyri war eine echte Enttäuschung. Ich hatte eine einfache Unterkunft erwartet, aber nicht ein kaltes Zimmer, wo das Waschbecken von der Wand fällt. Nach der besten Unterkunft in Åndalsnes war diese hier mit Abstand die schlechteste.

Lærdalsøyri- Laerdal Holiday and Leisure Park (Motel)
Kosten: Nicht angemessen, 75 Euro
Ausstattung: Alt, sehr spartanisch
Bett: Einfach
Bad: Einfach, schlechter Zustand. Das Waschbecken war nicht festgeschraubt.
Frühstück: Nein
Destination Charger: Nein. Supercharger Lærdal ist ca. 8 km entfernt.
Parken: Ja, kostenlos

Tag 13 — LÆRDALSØYRIBERGENSTAVANGERKRISTIANSAND

Dienstag, 8.9.2020
Abfahrt 7:14 Uhr
Lærdalsøyri Laerdal Holiday and Leisure Park - Supercharger Aurland - 50 km
Supercharger Aurland - Supercharger Voss - 71 km
Supercharger Voss - Supercharger Arna - 131 km
Supercharger Arna - Halhjem 56 km
Fähre Halhjem - Sandvikvåg - 21 km
Sandvikvåg - Supercharger Aksdal - 81 km
Supercharger Aksdal - Arsvågen - 34 km
Fähre Arsvågen - Mortavika - 9 km
Mortavika - Supercharger Vikeså - 81 km
Supercharger Vikeså - Supercharger Lyngdal - 112 km
Supercharger Lyngdal - Kristiansand Hotel Norge - 71 km
Ankunft 21:53 Uhr
717 km (gefahren 687 km)

Von Lærdalsøyri könnte man den längsten Straßentunnel der Welt nach Aurland nehmen - den Laerdaltunnel. Doch dann verpasst man die kurvige Straße durch das wunderschöne, raue Aurlandsfjell auf dem Hochland darüber, die ich sehr empfehlen kann. Ich habe dort um 8 Uhr morgens nicht ein einziges Fahrzeug auf der Straße angetroffen bis Aurland. Dies war das einzige Mal auf dieser Tour, dass ich auf über 1200 Meter über NN oberhalb der Schneegrenze unterwegs war. Eine steinig-moosige teils verschneite Marslandschaft, gemischt mit tollen Ausblicken über die Berge. Kurz vor Aurland kommt man noch am Stegastein vorbei, eine architektonisch gelungene Aussichtsplattform mit Überblick über den Aurlandfjord. Ich war bei starkem Regen komplett allein dort.
Die Straße entlang des Hardangerfjords machte Lust auf weitere Erkundungsstopps, doch auch hier regnete es in Strömen. Den Stopp machte ich dann erst wieder am Steindalsfossen, einem Wasserfall, hinter dem man trockenen Fußes hindurchgehen kann. Wegen des vielen Regens führte er sehr viel Wasser und war ein toller Anblick. Aufgrund des Wetters entschied ich mich, bis Kristiansand durchzufahren. Die Städte Bergen und Stavanger sind sicherlich eine Reise wert, aber nicht bei Starkregen und mitten in einer Pandemie. Weil der Destination Charger im Hotel Norge schon besetzt war, machte ich einen längeren Stopp am letzten Supercharger vor dem Ziel in Lyngdal, um für die Reise am nächsten Tag vorbereitet zu sein.

Kristiansand - Hotel Norge
Kosten: Angemessen, ca. 99 Euro
Ausstattung: Top
Bett: Top
Bad: Top
Frühstück: Ok. Lunchpaket wegen früher Fähre. War mager, aber ausreichend.
Service: Sehr freundlich, antwortet innerhalb weniger Stunden persönlich per E-Mail.
Destination Charger: Ja, war(en) aber belegt.
Parken: Ja, kostenlos vor der Tür (vermutlich aber nur, weil ich spät kam und früh wieder los musste)
Steins­dals­fos­sen in Zeitlupe

Tag 14 — KRISTIANSANDHAMBURG

Mittwoch 9.9.2020
Abfahrt 6:32 Uhr
Kristiansand Hotel Norge - Fähre Kristiansand - 1 km
Fähre ColorLine Kristiansand - Hirtshals 8:00 Uhr - 11:15 Uhr - 143 km
Hirtshals - Supercharger Haverslev - 103 km
Supercharger Haverslev - Supercharger Rødekro - 227 km
Supercharger Rødekro - Supercharger Busdorf - 72 km
Supercharger Busdorf - Hamburg - 120 km
Ankunft 17:37 Uhr
666 km (gefahren 523 km)

Copy­right Noti­ce: Sämt­li­che Kar­ten und Höhen­pro­fi­le wur­den erstellt mit Open­Street­Map und Gra­phHop­per. Sofern nicht expli­zit anders erwähnt, sind die Fotos mei­ne eigenen.

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